Klimaschutz wird oft als Zumutung dargestellt: weniger, langsamer, teurer. Der Vortrag von Josef Strohhofer, Bio-Landwirt und langjähriges Mitglied der Grünen im Kreisverband Dingolfing-Landau, zeigte am Samstag in Mengkofen eindrucksvoll das Gegenteil. Unter dem Titel „Anregungen für eine nachhaltige und gemeinwohlorientierte Lebensweise“ machte er deutlich: Ein nachhaltiges Leben bedeutet mehr Gesundheit, mehr Lebensqualität und mehr Zeitwohlstand – kurz: Klimaglück.
Eine Welt aus dem Gleichgewicht
Strohhofer begann mit einem ehrlichen Blick auf den Ist-Zustand: Klimakrise, Artensterben, Ressourcenverbrauch und wachsende soziale Ungleichheit zeigen, dass unser derzeitiges Wirtschafts- und Lebensmodell an seine Grenzen stößt. Besonders eindrücklich war seine Erklärung der Klimakrise als „schleichende Krise“: Die menschengemachte Erderwärmung verläuft rund 20-mal schneller als frühere Warmphasen – mit Kipppunkten, die unumkehrbar sein können.
Auch das weltweite Artensterben sei keine Randnotiz, sondern eine direkte Bedrohung unserer Ernährungssicherheit. Insekten, Böden, Wasser – all das bilde die Grundlage unseres Lebens. „Wir sind Teil der Natur“, so Strohhofer, „aber wir verhalten uns, als stünden wir über ihr.“
Gemeinwohl statt reiner Gewinnmaximierung
Ein zentraler Teil des Vortrags war die Gemeinwohl-Ökonomie. Sie stellt nicht den finanziellen Gewinn, sondern Menschenwürde, ökologische Nachhaltigkeit, Solidarität und Mitbestimmung in den Mittelpunkt wirtschaftlichen Handelns. Beispiele aus der Praxis – von gemeinwohlzertifizierten Gemeinden bis zu verantwortungsvoll wirtschaftenden Betrieben – zeigten: Das ist kein Idealismus, sondern funktioniert real.
Kritisch hinterfragt wurde auch unser Messsystem für „Erfolg“. Das Bruttoinlandsprodukt wächst selbst dann, wenn Unfälle, Krankheiten oder Umweltzerstörung zunehmen. Alternativen wie der Nationale Wohlfahrtsindex, der auch Zufriedenheit, Naturverbrauch und unbezahlte Arbeit berücksichtigt, weisen einen anderen, sinnvolleren Weg.
Nachhaltig leben heißt besser leben
Besonders greifbar wurde der Vortrag dort, wo es um den Alltag ging. Nachhaltigkeit beginnt nicht mit Verboten, sondern mit guten Entscheidungen:
Strohhofer machte klar: Viele sogenannte „Errungenschaften“ unseres Systems erzeugen Stress, Krankheiten und Abhängigkeiten. Ein nachhaltiger Lebensstil dagegen stärkt Gesundheit, Selbstwirksamkeit und Gemeinschaft.
Gemeinden können viel bewegen
Auch auf kommunaler Ebene gebe es große Hebel: sichere Rad- und Gehwege, weniger Flächenversiegelung, Erhalt von Bäumen, Nachverdichtung statt Neubaugebiete, Treffpunkte in Ortsteilen. All das steigert Lebensqualität, senkt Verkehrsbelastung und fördert soziale Begegnung.
Ein Gegenentwurf zur Arbeitsdebatte
Der Vortrag setzte damit bewusst einen Kontrapunkt zur aktuellen politischen Debatte, in der der deutschen Bevölkerung vorgeworfen wird, sie sei zu oft krank und arbeite zu wenig. Strohhofers Botschaft lautet: Wenn Menschen gesünder leben, sich mehr bewegen, besser essen und weniger unter Dauerstress stehen, sind sie leistungsfähiger – und zufriedener.
Nicht mehr Arbeit um jeden Preis, sondern kluges Wirtschaften und gutes Leben für alle sollte das Ziel sein.
Hoffnung ist Arbeit
Zum Abschluss zitierte Strohhofer die Klimaschutzaktivistin Luise Neubauer:
„Hoffnung entsteht aus unserem eigenen Handeln.“
Genau das zog sich durch den gesamten Abend: Veränderung beginnt nicht abstrakt, sondern konkret – bei uns selbst, vor Ort, gemeinsam.
Josef Strohofers Analyse machte Mut. Er zeigte, dass Klimaschutz kein Verlust ist, sondern eine Einladung zu einem besseren Leben. Oder, wie Strohhofer es ausdrücken würde: zu mehr Zamhoidn, mehr Gesundheit – und mehr Klimaglück.
Der Vortrag machte aber auch deutlich: Persönliches Engagement braucht Rückhalt. Nachhaltige Lebensweisen entfalten ihre volle Wirkung erst dann, wenn sie politisch gewollt, gefördert und abgesichert werden. Gute Politik kann das ermöglichen – und damit dafür sorgen, dass Klimaschutz kein Verzicht bleibt, sondern für alle zum Gewinn wird.
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