MdL Stümpfig: "Nicht den zweiten Schritt vor dem ersten"

Energiewende braucht viel Strom
Der Umweltingenieur und Landtagsabgeordnete Martin Stümpfig aus Mittelfranken war dem online-Stammtisch der Grünen im Landkreis zugeschaltet. Sein Impulsreferat widmete sich den anstehenden Anforderungen an die Energiewende. Stümpfig ist in der Landtagsfraktion für Energie und Klimaschutz zuständig und auch stellvertretender Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses.
Die Energiewende als Antwort auf die hereinbrechende Klimakatastrophe zählt zu den größten politischen Herausforderungen des nächsten Jahrzehnts. Zum Klimaproblem kommt die fatale Abhängigkeit von Despoten. Mit 50% der Ausgaben für Erdgas finanzieren wir die Großmachtphantasien von Putin und den Krieg gegen die Ukraine, so Stümpfig. Die Energiewende könnte uns europäische Selbstbestimmung und Unabhängigkeit zurückbringen.
Bayern ist stark abhängig von Öl- und Gasimporten, die gleichzeitig auch die Hauptquellen der CO2 Emissionen sind. Auch bei der Stromerzeugung stagniert der erneuerbare Anteil seit Jahren bei 50%.
Eine zusätzliche Herausforderung stellt der komplette Ausstieg aus der Atomenergie im nächsten Jahr dar. Gleichzeitig hat sich Bayern den Luxus geleistet, die Windkraft als eine der in Zukunft wichtigsten Stromquellen völlig auszubremsen. Während Biomasse und Wasserkraft ausgeschöpft sind und der Ausbau der Photovoltaik erst langsam wieder in Gang kommt, steigt Bayerns Stromabhängigkeit von Importen vor allem aus dem Norden. 2023 wird Bayerns Defizit 30 Terawattstunden betragen. Frankreichs Atomkraft wird kaum eine Rolle spielen, weil die dazu gehörenden Anlagen allmählich das Ende ihrer Lebenszeit erreichen und deren Ersatz mit gigantischen Kosten verbunden ist.
Stromleitungen werden also immer wichtiger. Das Beispiel Nordlink hat gezeigt, dass durch den Verbund mit Norwegen und Schweden schlagartig große Mengen Kohlendioxid eingespart werden konnten bei gleichzeitig deutlicher Erhöhung der Flexibilität der Versorgung.
Für die angestrebte Klimaneutralität muss die ganze Energieversorgung hauptsächlich über Strom erfolgen. Auch Wasserstoff braucht Strom. „Bevor wir über Wasserstoff reden können, brauchen wir erst einmal große Stromüberschüsse. Ich sehe auf absehbare Zeit nirgends Überschüsse beim Strom in Bayern“, so Stümpfig. Mit Photovoltaik allein werden Elektrolyseure sich in einem begrenzten Zeitfenster nicht wirtschaftlich betreiben lassen, hier bauen die Freien Wähler gerade an Luftschlössern. Elektrolyseure sind Maschinen, die aus Strom und Wasser Wasserstoff herstellen.
Kein Weg führt an der Windkraft vorbei und jeder Monat ohne Planung ist ein verlorener Monat. Noch 2013 gab es 400 Anträge auf Windparks, 2021 waren es 0! Hauptursache war die 10h Regel und das damit verbundene Schlechtreden der Windräder. Dabei lassen sich alle Probleme, ob Artenschutz oder Schattenwurf, planerisch und technisch lösen. Was bleibt ist die optische Beeinträchtigung, und die liegt nur im Auge des Betrachters.
Der Ausbau der Windkraft braucht mehrere Jahre Vorlaufzeit. Bis dahin, so Stümpfig, gelte es die Energieversorgung zu flexibilisieren. Autobatterien müssen über kurz oder lang als Speicher ins Stromnetz integriert werden, Biomasse muss stärker nachfrageorientiert eingesetzt werden. Mit stündlich angepassten Strompreisen muss Angebot und Nachfrage geregelt werden. Der Zubau von Photovoltaik muss schneller gehen, die Genehmigung kleinerer Anlagen gerade von Landwirten muss von Bürokratie entlastet werden, auch der Verkauf von Strom im näheren Umfeld. Ein weiterer Hemmschuh ist, dass viele Umspannwerke noch zu schwach sind, wie ein Teilnehmer bemerkte.
Dass Neubaugebiete noch immer mit Gasanschluss ausgewiesen werden hält Stümpfig für große Geldverschwendung. Neubauten können mit sehr niedrigen Temperaturen beheizt werden. „Dazu brauchen wir keine Verbrennungstemperaturen von 600 Grad!“ Franziska Sänftl, die den Abend moderierte meinte abschließend: Auch wenn der Landkreis Dingolfing-Landau schon bei Strom einen hohen Eigenversorgungsgrad hat, muss auch hier vieles passieren. Für die Windkraft bieten sich Bürgeranlagen an, die Anliegern günstige Beteiligungsmöglichen anbieten.  



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