Richtig viel Bock auf Regierung

Ein wahres politisches Schwergewicht war in Dingolfing am Donnerstagnachmittag zu Gast. Robert Habeck, Bundesvorsitzender der Grünen, warb in einer emotionalen Rede für mehr Innovation, mehr Mut, eine neue politische Streitkultur – und weniger „Weiter so“. Sei es bei der Klimapolitik, der Transformation der Automobilindustrie oder der Digitalisierung. Mehr als 200 Zuschauer waren an der Zirkuswiese anwesend.

Um 13.05 Uhr betrat Robert Habeck die Dingolfinger Zirkuswiese. In diesem Moment hätte man wohl eine Stecknadel fallen gehört. Allein sein Outfit – Jeanshose und aufgeknöpftes Hemd – verriet bereits vor seiner Rede, dass Habeck um jede Stimme für den 26. September kämpfen will. Habeck machte schnell klar, was ihn antreibt. Er hat für sich und seine Partei ganz klare Vorstellungen.

Zunächst bemerkte er, dass Streit gerade im Wahlkampf nichts Schlechtes sein muss, es fehle in vielen Situationen aber an einer gefestigten Streitkultur, die neu erlernt werden müsse. Wichtig seien ihm auch Regelungen für internationale Unternehmen, die sich unter der aktuellen Regierung der Besteuerung entziehen können. Superreichen, die ins All fliegen, hatte er nur ein „Alter, bleib auf der Erde“ zu entgegnen. Eine Regierung, der die Antworten auf die großen Fragen der Zeit fehlen, würde zwangsläufig fehlende Verantwortung zeigen. So auch im Falle Afghanistans: Bundeskanzlerin Merkel habe seinen vollen Respekt, doch man könne nicht die Verantwortung wie eine heiße Kartoffel von einem Ministerium zum anderen weiterreichen, nur damit sich letztlich niemand schuldig fühlt – „man muss auch zu Fehlern stehen können“, so Habeck. Verantwortung sei etwas, das man ernsthaft suchen und wollen müsse.

Auch die Kanzlerkandidaten Scholz und Laschet fanden Erwähnung. Jedem sei mittlerweile klar, dass ein Systemwechsel nötig sei, den die GroKo allerdings verschlafen hat. Dies sei jedoch kein intellektuelles Problem, sondern schlichtweg Fehlen politischen Mutes. „Wenn man Antworten verweigert, [...] dann kann man nicht Chef dieses Landes werden.“, merkte Habeck an. Die große Chance unserer Zeit sei es, Debatten sämtlicher Bereiche neu aufleben lassen zu können und vermeintliche, teils konstruierte, Gegensätze mit neuen Ideen betrachten und lösen zu wollen. Seiner Ansicht nach müsse man dafür aber zunächst „Politik wieder politisch werden lassen“. Die Menschen wüssten, „wo Gelder wirklich eingesetzt werden müssten und wie die nächsten Jahre gerade nicht werden sollten“. Deshalb gelte es, voneinander zu lernen und neue Wege zu gehen – dann könne man nur gewinnen, auch gegen den Klimawandel. Nach 37 Minuten Redezeit, in denen ihm das Publikum seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkte, nahm sich Robert Habeck Zeit für einige Fragen aus dem Publikum. Gegen Ende der Veranstaltung fasste ein Zuschauer beim Verlassen der Wiese seinen Eindruck knapp zusammen: „Der war bessa gwesn wia ‘d Annalena.“.Klare Kante – flotte Sprüche

Manuela Völkl begrüßte die Zuschauer mit den Worten „Der Countdown läuft – noch zehn Tage, bis wir über die Zukunft Deutschlands entschieden.“ und stellte als ersten Redner den Bundesvorsitzendenden der Grünen Jugend, Georg Kurz, vor. In seinem Redebeitrag konzentrierte er sich auf die Rolle der jungen Generationen und rief dazu auf, sich von der schwarzen Null zu verabschieden. Investitionen seien dafür gedacht, dass sie sich langfristig lohnen.

Abgelöst wurde er von Robert Grashei, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Landshut. Er betonte, wie wichtig gerade für einen Industriestandort, wie es der Wahlkreis 230 ist, Perspektiven in diesem Feld seien und erklärte seine Ideen für gerechte Transformationskonzepte.

Unter Jubel aus dem Publikum wurde die Direktkandidatin Marlene Schönberger auf die Bühne gerufen. Sie berichtete von älteren Mitbürgern, die ihr während des Wahlkampfes ihre Stimme für die jungen Leute versprachen. Politisch wolle sie sich nicht länger „durchwurschteln“, sondern an den Fehlern der scheidenden Bundesregierung arbeiten, dabei die Sorgen der Menschen angehen und für echten Klimaschutz mit sozialem Ausgleich kämpfen.

Abschließend bat man vier weitere Mitglieder der niederbayerischen Grünen um ein Statement. Nach den Beiträgen von Maria Krieger und Matthias Schwinger ergriff Steffi Auer das Wort und erntete Applaus für ihren Satz: „Wir sind die einzigen, die Andi Scheuer abwählen können!“. Auch Erhard Grundls leidenschaftlicher Schlussappell für die Veteranen wurde anerkennend quittiert.

Quellenangabe: Isabella Vogl und Andy Forster, Dingolfinger Anzeiger, 17.09.2021



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