Flächenfraß konkret

Der Landkreis hat trotz niedriger Arbeitslosigkeit ein Strukturproblem. Es fehlen auf lange Sicht Arbeitsplätze für Hochqualifizierte. Ist die Ausweisung von noch mehr Gewerbegebieten eine Antwort auf dieses Problem. Franz Anneser von den Grünen versuchte darauf eine Antwort im Rahmen einer geführten Radltour zwischen Dingolfing und Gottfrieding zu geben. Immerhin 35 Personen beteiligten sich daran trotz der großen Hitze und an den acht Stationen wurde eifrig zum Thema diskutiert. Auch Marlene Schönberger und Christine Aigner, Direktkandidatinnen der Grünen, waren unter den Teilnehmern.

Dingolfing ist eine Industriestadt mit hochwertiger Produktion bei BMW. Aber was ist mit den anderen Gewerbegebieten, die in den letzten Jahrzehnten dazu gekommen sind? Zu Beginn der Radltour stand eine Beobachtungsaufgabe. Am Ende des Durchfahrens der Römerstraße sollte eine Schätzung der dort entstandenen hochqualifizierten Arbeitsplätze stehen.

Die Bilanz war ernüchternd. Das Gebiet wird dominiert von Stellplätzen, von Lagerplätzen für Kabel, Rohre und Baumaterial, von Containern, von einfachen barackenähnlichen Bauten, die eher dem Lagern als dem Produzieren dienen. Von einzelnen hochwertigen Gebäuden abgesehen prägt Billigarchitektur die Szenerie. "Bei vielen Betrieben erkenne ich den Sinn nicht, warum sie so weit vor die Stadt hinaus verlagert werden," so Anneser. Büros, Hotels oder Verkaufsräume stinken nicht und machen keinen Lärm, mit ihnen sollten doch eher die Innenstädte belebt werden. In Bayern wird täglich die Fläche ungefähr von der Größe des historischen Kerns von Dingolfing verbraucht. Allein die neuen Logistikhallen in Gottfrieding-Nord brauchen genau so viel Platz, und das für eine Handvoll Arbeitsplätze.

Das neue Baugebiet östlich der Ennserstraße war eine der nächsten Stationen. Anneser: "Die Idee der Gartenstädte ist noch keine hundert Jahre alt, und hat sich hier bereits ad absurdum geführt". Der Traum vom "Wohnen im Grünen" habe sich wohl ausgeträumt. In Wohngebieten, die bereits zu über 50 Prozent mit Bauten, Parkplätzen und Auffahrten versiegelt sind, mit geschotterten Gärten, ist das Kleinklima genau so schlecht wie in Innenstädten. Die Gärten werden nicht mehr zur Selbstversorgung genutzt, großkronige Bäume findet man hier im privaten Bereich überhaupt nicht mehr. Es sei schwer vorzustellen, dass auf diesen Straßen einmal Kinder spielen werden. Für diese Art des Wohnungsbaus gibt es keine Zukunft, meinte Anneser. Noch dazu ist bekannt, dass deutschlandweit große Wohnungen zu 200% über den künftigen Bedarf hinaus gebaut worden sind.

Dann ging es hinaus ins Moos in Richtung Autobahn. Die neuen Logistikhallen in Gottfrieding im Blick erklärte Anneser, dass die beiden hier anliegenden Gemeinden eine Fläche von 140 ha ins Visier genommen hätten, für wiederum neue Gewerbegebiete, was ein allgemeines Kopfschütteln hervorrief. Allein die Hallen seien ein gewaltiger Tabubruch im bis dahin ungestörten Wiesenbrütergebiet.

Vor dem Frick-Areal gab es auch mal gute Noten. Hier und an mehreren anderen Orten im inneren Bereich, z.B. an der alten Isarbrücke, seien mit hochwertiger Architektur brachliegende Flächen massiv aufgewertet worden. Überhaupt stehe der Stadt Dingolfing mit der Baugenossenschaft und ihren 900 Wohnungen ein wertvolles Instrument zur Verfügung, das nicht hoch genug eingeschätzt werden könne.

Im Bereich Kreuzstraße/Bahnhof sollte zukünftig ein Schwerpunkt auf weitere Verdichtung gelegt werden. Statt immer weiter nach draußen zu gehen, bräuchte man Planungs- und Umsetzungsinstrumente um ein echtes Subzentrum zu schaffen, mit Wohnen, Hotel, Büros, Handel. Eine von Dauerparkern befreite und begrünte Kreuzstraße könnte zu einer lebendigen Straße werden.

Am Bahnhof war Zeit für eine Zusammenfassung und für einen Blick in die Zukunft. Die freie Landschaft, so Anneser, steht von drei Seiten unter Druck, und Dingolfing stehe hier nur als Beispiel für Entwicklungen in ganz Bayern. Verkehrs- und Siedlungsflächen nehmen ungebremst zu, die Landwirtschaft wird industrieller und artenfeindlicher. Dazu kommt noch der Klimawandel. Gerade letzterer verlange nach freier Landschaft als Puffer gegen immer häufiger werdende Wetterextreme, und als Schutz gegen das Artensterben. Anneser: "Wir müssen verdichten, Nutzungen wieder vermischen, die Zentren stärken, generationsübergreifend planen und bauen, Straßen als Kommunikationsräume wieder entdecken. Auch in Gewerbegebieten muss wieder sparsamer mit dem nicht ersetzbaren Rohstoff Boden umgegangen werden. Und eine neu organisierte zukünftige Mobilität muss die Parkplätze als größte Raumfresser wieder reduzieren" Zum Foto: Zu Brennpunkten des Flächenfraßes führte eine Radltour unter Leitung von Franz Anneser von den Grünen

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