09.06.2017

Flächenverbrauch auf ein Drittel senken

Die Landtagsabgeordnete Rosi Steinberger von den Grünen in Niederbayern führte mit Mitgliedern und Interessierten eine Landkreisrundfahrt durch. Dabei kam auch eines der brennendsten Umweltthemen der Region zur Sprache, nämlich der ungebremste Flächenfraß. Täglich verschinden in Bayern 14,7 ha unter Asphalt und Beton. Im Landkreis Dingolfing-Landau sind das immerhin 2800 m² täglich. Bodenversiegelung ist Umweltzerstörung pur. Nicht nur wird der Grundwasserhaushalt gestört, eine versiegelte Fläche ist dem ökologischen Kreislauf komplett entzogen, verändert das Kleinklima, und kann später nur unter großem Aufwand wieder rekultiviert werden. Dazu kommen Durchschneidungseffekte. Wenn beispielsweise in Großköllnbach im Moos wie geplant hohe Industriehallen errichtet werden, werden dadurch Naturflächen nördlich und südlich davon ebenfalls entwertet, weil Wiesenbrüter nicht mehr zwischen Nahrungs- und Brutgebieten hin und her wechseln werden. Die Ausweisung von immer mehr Logistikflächen, wie beispielsweise in Gottfrieding beurteilt Rosi Steinberger als kontraproduktiv für die wirtschaftliche Entwicklung im Landkreis. Sie nimmt dadurch eine vollkommen falsche Richtung. Es werden immer mehr Arbeitsplätze im unteren Lohnsektor geschaffen, für die keine Nachfrage besteht, qualifizierte Arbeitsplätze dagegen fehlen. Boden ist die wichtigste Ressource, sie ist endlich und nicht erneuerbar. Eine Obergrenze für den Flächenverbrauch muss kurzfristig bei 4,7 ha/Tag liegen, das entspricht dem bayerischen Anteil bei einer bundesweiten Obergrenze von 30 ha. Die Bodenpreise steigen, das macht vor allem der Landwirtschaft große Probleme. Betriebserweiterungen sind kaum mehr finanzierbar. Gleichzeitig wird bei der Ausweisung von Gewerbegebieten, bei der Erschließung von Wohngebieten und bei der Straßenplanung so getan als ob Grund und Boden in unendlicher Form zur Verfügung stünden. Zukünftig muss Gewerbe auch wieder mehrstöckig geplant werden, Parkplätze müssen in die Gebäude integriert werden und Wohnbebauung muss nahe der Zentren wesentlich verdichteter sein. Dass gleichzeitig 11000 ha voll erschlossener Gewerbeflächen in Bayern leer stehen ist ein Skandal, so Steinberger. Man habe den Eindruck, dass nicht mehr die Kommunen planen, sondern nur noch Spekulanten. Von der bayerischen Staatsregierung sind keine Gegenmaßnahmen zu erwarten. Es gibt aber Initiativen von unten. In intensiver Vorbereitung ist ein Gesetzesentwurf, der die die Einführung von limitierten Flächenverbrauchszertifikaten als neues Steuerungsinstrument vorsieht, die pro Kopf an die Gemeinden vergeben werden. Diese können frei gehandelt werden. Eine Gemeinde, die sparsam mit Fläche umgeht, wäre dann auch finanziell im Vorteil. Stseinberger sieht nach Umfragen gute Chancen, dafür Mehrheiten außerhalb des Parlaments zu bekommen, so dass momentan ein Volksbegehren für dieses dringliche Problem in der Planung ist. Zum Foto: Vor dem leerstehenden Gewerbegebiet Gottfrieding Nord: Kreisräte Reicheneder und Aigner mit MdL Steinberger

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