Dingolfing-Landau, 18. Juni 2026 – Die Zustimmung der CSU-Europaabgeordneten zur Deregulierung der sogenannten Neuen Genomischen Techniken (NGT) im Europäischen Parlament stößt bei Bündnis 90/Die Grünen im Landkreis Dingolfing-Landau auf deutliche Kritik. Nach Auffassung der Grünen werden damit wichtige Transparenz- und Kontrollmechanismen im Bereich gentechnisch veränderter Pflanzen geschwächt.
Die geplante Neuregelung sieht vor, bestimmte mit neuen gentechnischen Verfahren entwickelte Pflanzen künftig von Teilen der bisherigen Zulassungs-, Kennzeichnungs- und Kontrollpflichten auszunehmen. Die Grünen befürchten, dass dadurch die Nachvollziehbarkeit entlang der Lebensmittelkette eingeschränkt und die Wahlfreiheit von Verbraucherinnen und Verbrauchern beeinträchtigt werden könnte.
„Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen beim Lebensmittelkauf echte Wahlfreiheit und die gibt es nur mit echter Transparenz. Die Abschaffung der Kennzeichnungspflicht würde die Kundinnen und Kunden dazu nötigen die berühmte „Katze im Sack zu kaufen“ nur als „Genweizen im Brot“, das dürfen wir nicht hinnehmen.“, erklärt Alexandra Dittrich, Vorstandssprecherin des Kreisverbandes Dingolfing-Landau.
Die Grünen betonen, dass neue Züchtungsmethoden grundsätzlich Chancen für die Landwirtschaft bieten können. Innovation dürfe jedoch nicht dazu führen, dass bewährte Transparenz- und Kontrollstandards aufgegeben werden. Kritisch sehen die Grünen zudem die Möglichkeit einer weiteren Konzentration auf dem Saatgutmarkt, insbesondere wenn neue Pflanzensorten durch Patente geschützt werden.
„Landwirtinnen und Landwirte die ohnehin schon mit Planungsunsicherheit, Bürokratie und wirtschaftlichen Problemen kämpfen werden in neue (teure!) Abhängigkeiten durch patentiertes Saatgut gedrängt. Gerade für die Landwirtschaft ist eine klare Linie und die Chance möglichst unabhängig zu wirtschaften essenziell. Wir dürfen die heimische Lebensmittelerzeugung nicht derart aufs Spiel setzen!“, so Dittrich weiter.
Für Thorsten Ring, Vorstandssprecher des Kreisverbandes, wirft die Abstimmung Fragen zur Glaubwürdigkeit der CSU auf:
„Die CSU betont in Bayern regelmäßig ihre Unterstützung für die heimische Landwirtschaft und die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher. Umso kritischer sehen wir ihre Zustimmung zu einer Regelung, die aus unserer Sicht wichtige Transparenz- und Kontrollmechanismen schwächt. Gerade unsere bäuerlichen Familienbetriebe sind auf klare Rahmenbedingungen und die Möglichkeit angewiesen, sich auch mit gentechnikfrei erzeugten Produkten am Markt zu positionieren.
Verbraucherinnen und Verbraucher müssen weiterhin nachvollziehen können, wie Lebensmittel erzeugt wurden. Gleichzeitig benötigen landwirtschaftliche Betriebe Planungssicherheit und faire Wettbewerbsbedingungen. Diese Ziele dürfen bei der Weiterentwicklung des europäischen Gentechnikrechts nicht aus dem Blick geraten.“
Die Grünen im Landkreis Dingolfing-Landau fordern weiterhin eine verpflichtende Risikoprüfung für gentechnisch veränderte Pflanzen, eine lückenlose Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung entlang der gesamten Lebensmittelkette sowie wirksame Regeln gegen eine weitere Konzentration des Saatgutmarktes durch Patente.
„Fortschritt und Innovation sind wichtig. Sie müssen jedoch mit Transparenz, Wahlfreiheit und einem wirksamen Schutz der Interessen von Verbraucherinnen, Verbrauchern und landwirtschaftlichen Betrieben verbunden werden. Dafür werden wir uns weiterhin einsetzen“, so Ring abschließend.
Foto: Ines Helmer
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